Wer kennt diese Börsenweisheit nicht? Pünktlich – spätestens, wenn der Monat Mai näher rückt – erinnern sich viele Anlegerinnen und Anleger an diese Anlagestrategie oder zumindest an die erste Hälfte dieses bekannten Satzes. Doch woher stammt dieser Spruch eigentlich? Was bedeutet er genau? Und die wichtigste Frage: Ist an dieser Weisheit wirklich etwas Wahres dran?
Der Ursprung dieser Börsenweisheit reicht weit zurück. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert und entstand im Londoner Finanzviertel. Damals lautete sie noch vollständig: „Sell in May and go away, come back on St. Leger’s Day.“ Der St. Leger’s Day bezeichnete den Tag des letzten Rennens der britischen Pferderennsaison, das in der Regel im September stattfand.
Hintergrund dieser Redewendung war, dass viele Börsenhändler/innen den Sommer lieber auf ihren Landsitzen verbrachten, statt in der heissen Stadt zu verweilen. Die Grundidee dahinter ist, dass zwischen Mai und September häufig mit einer sommerlichen Börsenflaute und somit mit einer schwächeren Marktentwicklung zu rechnen ist. Aus dieser Überlegung heraus verkauften viele Händler/innen ihre Aktienbestände Anfang Mai und stiegen erst im Herbst – rechtzeitig vor der Jahresendrallye – wieder ein.
Die entscheidende Frage lautet nun: Wie viel Weisheit steckt tatsächlich in diesem Börsenspruch, und zu welchen Ergebnissen hätte diese Anlagestrategie in der Vergangenheit geführt?
Historisch gesehen hat sich eine solche Strategie in vielen Börsenjahren durchaus bewährt – allerdings nicht in jüngerer Zeit und auch nicht bei sehr langfristigen Betrachtungszeiträumen. Gerade bei Zeiträumen von 15 Jahren und mehr erzielte eine Buy-and-Hold-Strategie in den meisten Fällen die langfristig deutlich bessere Performance. Ein direkter Vergleich der Sell in May-Strategie mit grossen Indizes wie dem SMI, DAX oder Dow Jones zeigt fast immer ein besseres Ergebnis für Buy and Hold.
Auch eine Auswertung der monatlichen Ergebnisse über einen Zeitraum von 50 Jahren zeigt, dass es in den Sommermonaten zwar tendenziell schwächere Monate gibt, der mit Abstand schwächste Börsenmonat jedoch der September ist.
Insgesamt besitzt diese Börsenweisheit daher nur eine begrenzte Aussagekraft. Langfristig erscheint eine Buy-and-Hold-Strategie deutlich sinnvoller. Daran ändert auch ein einzelnes schwaches Börsenquartal – wie wir es aktuell erleben – nichts.
Bei der Auswahl der Investments sollte grundsätzlich auf eine ausgewogene Streuung geachtet werden. Diese Diversifikation trägt dazu bei, Risiken zu reduzieren und ein langfristiges sowie nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.
Die eigenen Anlageziele, die persönliche Risikotoleranz und die individuelle Anlagestruktur bilden die Eckpfeiler einer langfristig erfolgreichen und zielführenden Anlagestrategie.